Vor einigen Wochen schwebte mir ein Werbefaltblatt ins Haus: Es enthielt die Konzerttermine in der Dresdner Semperoper, insbesondere die Sinfoniekonzerte, welche der Chefdirigent Daniele Gatti leitet. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus: In dieser Saison (2025/26) bringt die Sächsische Staatskapelle gleich drei Sinfonien von Gustav Mahler, die 5., 6. und 7. Und damit nicht genug: Es erklingen von Mahler auch noch die Rückert-Lieder und die Kindertotenlieder.
Diese Zusammenstellung geschieht nicht ohne Grund und zeugt von großem Verständnis für die Mahler-Genese: Die drei mittleren Sinfonien, entstanden in den Jahren 1901-1905, sind rein instrumentale Werke ohne Gesang, werden aber hervorragend ergänzt durch die zwei Liedzyklen, welche zur gleichen Zeit komponiert wurden.

Was die Konzert-Saison 2025/26 des Leipziger Gewandhaus-Orchesters betrifft, so werden Werke von Mahler leider nur selten aufgeführt.
Nun gut, im Jahre 2023 fand ein gewaltiger Mahler-Zyklus statt, so dass es verständlich ist, dass in den Folgejahren der Fokus auf andere Komponisten überging. So stellte der Schostakowitsch-Zyklus im Frühjahr 2025 eine Herausforderung für alle Beteiligten dar und darf als sehr gelungen betrachtet werden. In der jetzigen Saison steht der estnische Komponist Arvo Pärt anlässlich seines 90. Geburtstages im Mittelpunkt.

Und doch bin ich ein wenig enttäuscht darüber, dass von Mahler lediglich ein Werk im Gewandhaus erklang: Anfang Dezember die 1. Sinfonie unter Leitung von Alan Gilbert. Seine Interpretation war hervorragend, und der enthusiastische Beifall bestätigt meine Meinung. Dieses Frühwerk Mahlers (weithin komponiert und vollendet anno 1888 in Leipzig) enthält bereits die Fülle seiner musikalischen Gedanken.
Mehr Mahler gibt es im Moment nicht in Leipzig. Es bleibt aber die Hoffnung auf die neue Konzertsaison. Auch von den Dresdener Mahler-Konzerten gehören schon zwei der Vergangenheit an. Nur das Konzert Ende Februar 2026 steht noch bevor: Kindertotenlieder und 7. Sinfonie, ein überaus gefülltes Programm.
Eberhard Thieme