Literatur – Ingeborg Bachmann – Gedanken zu einem Jubiläum

Fünf deutsche Schriftsteller hätten in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiern können:

Erich Loest (1926-2013), Siegfried Lenz (1926-2014), Hermann Kant (1926- 2016), Werner Heiduczek (1926-2019) und Günter de Bruyn (1926-2020). Mit der Literatur dieser Autoren bin ich seit vielen Jahren vertraut, wenngleich ich zugeben muß, dass es bezüglich meiner Sympathie große Unterschiede gibt.

Viel weniger vertraut bin ich mit der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1973), die ebenfalls in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte. Ihren Jubiläumstag, den 25. Juni, haben die Medien (Film, Zeitschriften. Rundfunk) in überaus hohem Maße gewürdigt, während ihre männlichen Jahrgangs-Kollegen mehr oder weniger leer ausgingen.

Bild-Bachmann-Simultan-Erzählungen

Was macht die Persönlichkeit jener Frau aus, daß sie so gefeiert wird? Da wäre natürlich als Erstes ihr umfangreiches Werk zu nennen: Begonnen hatte sie früh, gleich nach dem Krieg, als Lyrikerin. Weltweit bekannt und berühmt wurde sie dann 10 Jahre später mit ihren großen Erzählungen, in denen sich ihr widerspruchsvolles Leben spiegelt.

Die Feuilletons sprechen aber auch von ihrem außergewöhnlichen Lebensstil, insbesondere von ihren Beziehungen zu Paul Celan, Hans-Werner Henze und Max Frisch, sowie von ihrem tragischen Feuertod mit 47 Jahren.

Auffallend oft wird in den Kultursendungen auf ihre späten Erzählungen „Simultan“ (1972) hingewiesen, die im Zusammenhang mit dem Roman „Malina“ (1971) entstanden sind. Für mich war das ein Grund, die Erzählungen zum wiederholten Male zu lesen. „Malina“ ist leider bisher an mir vorbeigegangen. Doch habe ich mir vorgenommen, diese Lücke zu schließen.

Von der Lektüre des Romans verspreche ich mir einen besseren Zugang zu dieser großartigen Frau.

Eberhard Thieme