Es begann mit Maxi Wander – oder sagen wir mal: mit Maxi Wanders Idee – oder nochmal anders: mit dem Dokumentarfilm „Guten Abend, du Schöne“ nach Maxi Wanders (1933-1977) „Protokollen mit Tonband“ und ihrem daraus entstandenen Buch „Guten Morgen, du Schöne“ (1977). Maxi Wander hatte kurz vor ihrem Krebs-Tod den phänomenalen Erfolg ihres Buches in der damaligen DDR noch miterlebt.
Nun standen am 26. Oktober 2026, dem Eröffnungsabend des DOK-LEIPZIG-FESTIVALS 2026, Regisseurin Ina Borrmann mit Filmteam und einigen der damals Interviewten und jetzt aktuellen Film-Protagonistinnen auf der Bühne des Leipziger Schauspielhauses.

Für mich als damals 20-jähriger und begeisterter Leser dieses so „schonungslosen DDR-Buches“ war das schon ein großer Abend. Zumal das wirklich ein guter Eröffnungsfilm eines DOK-Festivals war, das nächstes Jahr 70 Jahre alt wird und natürlich mit einer DDR-Geschichte verbunden ist.
Dieses DOK LEIPZIG weist noch eine DDR-Besonderheit auf: Die Preisverleihung „Leipziger Ring“ der „Stiftung Friedliche Revolution“ – ein „Demokratiepreis“, der in Erinnerung an die friedlichen Demonstrationen um den „Leipziger Ring“ am 9. Oktober 1989 verliehen wird und die Erinnerung an die einzige gelungene deutsche Revolution wach hält – sie führte damals zum Ende der DDR-Diktatur nach 40 Jahren.
Der diesjährige Gewinnerfilm des „Leipziger Ring“ war der US-amerikanische Dokumentar-Film „Union Town“ (2026) von Barbara Kopple – friedliche, gewerkschaftlich organisierte Demonstrationen führten darin zu bisher verweigerten Vertragsabschlüssen durch „UPS“ und „Amazon“. Wie ich fand sehr stimmig und passend. Nahezu genauso „passend“ der Gewinnerfilm des diesjährigen DOK LEIPZIG, die „Goldene Taube“: „Letters from the Silenced Country“ (2026) von Adrei Kutsila – eine polnisch-deutsch-litauische Koproduktion. Es geht in diesem teilweise animierten Dokumentarfilm mit Spiel-Szenen um eine Opposition, die quasi in Belarus „mundtot“ gemacht wird – ein Beispiel wie die deutsche Revolution im Jahr 1989 hätte „schief gehen“ können.
Nun gibt es aber noch eine Besonderheit von DOK LEIPZIG zu benennen: Die einzige „Interreligiöse Jury“ bei einem deutschen Film-Festival. Dieses Jahr feierte sie zehn Jahre ihres Bestehens.

Der Gewinnerfilm: „Blossoming“ (Polen 2026) von Kamila Serwicka – eine polnische Familie aus Töchtern und Mutter nimmt Abschied vom alkoholkranken Vater – ein Abschied von Tyrannei und Gewalt.
Der Preis der „Interreligiösen Jury“ fiel wieder auf durch einen Blick auf das Menschliche und die „Dämonen“, die sich so oft im Alltäglichen zeigen.
Bemerkenswert war auch der Empfang der Interreligiösen Jury, mitten im Festival am Mittwoch, dem 28. Oktober 2026. Viele waren dann doch noch gekommen und die Speisen für „alle Religionen“ wurden fast alle „weggeputzt“.
Thomas Bohne
