Vaterland – hervorragender Geschichtsunterricht in schwarz-weiß, Katholischer Kinotipp

Im Sommer 1949 reisen der 74-jährige deutsche Schriftsteller Thomas Mann und seine Tochter Erika erstmals nach dem Ende der Nazi-Herrschaft aus dem US-Exil nach Deutschland. Anlass sind zwei Ehrungen in Frankfurt am Main und in Weimar, wo die Vertreter von West und Ost versuchen, den Rückkehrer zum Bleiben in ihrem jeweiligen Landesteil zu überreden. In Gestalt einer novellistischen Verdichtung mit pointierten Situationen und einigen dramaturgischen Freiheiten stellt das schwarz-weiße Historiendrama die Unmöglichkeit einer Heimkehr in ein erstarrtes Land dar. Dabei arbeitet der Film mit eigenwilligen Stilmitteln, betont jedoch gerade dadurch das Spezifische der Epoche und zeichnet mit formaler und darstellerischer Vollendung die beklemmende Atmosphäre der Zeit nach.
– Sehenswert ab 14
(FILMDIENST)

 

Bild: Vaterland – Filmbild, Fotonachweis ©: Cannes 2026, Cannes 2026/MUBI/Agata Grzybowska, Neue Visionen, Agata Grzybowska

ORIGINALTITEL: 1949
PRODUKTION: Polen/Italien/Frankreich/Deutschland2026
REGIE: Pawel Pawlikowski
MIT: Sandra Hüller (Erika Mann) · Hanns Zischler (Thomas Mann) · August Diehl (Klaus Mann) · Anna Madeley (Betty Knox) · Devid Striesow (Johannes R. Becher)
LÄNGE: 82 Minuten
KINOSTART: 03.09.2026
EMPFEHLUNG: Katholischer Kinotipp

 

Aus der Kinotipp-Jury

Besonders beeindruckend sind die Bildgestaltung in Schwarz-Weiß und die Kameraführung, die an den Film IDA des Regisseurs anknüpfen. Fiktion und historisches Geschehen vermischen sich hier, ermöglichen jedoch einen noch intensiveren Blick auf die Personen Erikas und Thomas Manns.

Insbesondere in den beiden Hauptrollen wird das großartig verkörpert, aber auch die (Sprach-)Nebenrollen sind toll besetzt. Sogar bei der Statisterie und der Ausstattung wurde Großes geleistet. Fast jede Einstellung ist ein eigenes, lohnenswertes Bild.

…neben Zischler als Thomas Mann, überzeugend Sandra Hüller als Erika und August Diehl als Klaus Mann. Auch die Nebenrollen sind hervorragend besetzt (Devid Striesow als J.R. Becher) und die Statisterie mit Typen, die eine gute Vorstellung vom Personal des Nachkriegsdeutschlands zwischen Schuld, Verdrängung und Fresssucht vermitteln. Kongenial ist der Einsatz der Filmmusik (Orgel, Messiaen – und natürlich zum Schluss Bach), die vielleicht mehr noch als Literatur und Sprache/Rede ein Trostpotenzial bereithält…

 

Bild: Vaterland – Plakat
Fotonachweis ©: Cannes 2026,
Cannes 2026/MUBI/Agata Grzybowska,
Neue Visionen, Agata Grzybowska