In die Sonne schauen – Experimenteller Ausnahmefilm aus Deutschland

Ein abgeschiedener Vierseitenhof im Norden von Sachsen-Anhalt wird von den 1910er- bis zu den 2020er-Jahren immer wieder zum Ort, an dem Mädchen ihre Kindheit und Jugend erleben. Familiär lose verbunden, aber ohne Wissen um die Vorgängerinnen, sind vier Biografien und Schicksale durch zahlreiche gemeinsame Berührungspunkte miteinander verwoben. In scheinbar alltäglichen, geradezu rhapsodischen Momentaufnahmen und Impressionen bringt das virtuos montierte Drama die Zeitebenen in einen filmischen Dialog. Ästhetisch und narrativ meisterlich durchkomponiert, ist der Film von hoher Empathie für die subjektive Wahrnehmung der Hauptfiguren geprägt und entfaltet in seiner bestechenden assoziativen Form außerordentliche Anziehungskraft. – Sehenswert ab 16. (Filmdienst)

 

Bild: In die Sonne schauen
Fotonachweis ©: Fabian Gamper/Studio Zentral/Cannes 2025, Studio Central/Cannes 2025, Studio Zentral

Ein Experimentalfilm der Extraklasse-keine Handlung im eigentlichen Sinn. Aber trotzdem viele wiederholende Aspekte zwischen den verschiedenen Zeitebenen-das erzeugt auch eine Spannung, die über die 140 Minuten trägt und ein Dranbleiben ermöglicht. Die Settings in den verschiedenen Epochen sind gut recherchiert und ziemlich genau – soweit ich das beurteilen kann. Auf alle Fälle ist das DDR-Setting sehr genau, das reicht bis zur Plaste-Brot-Schale. Die kenne ich sehr gut. Im Übrigen halte ich IN DIE SONNE SCHAUEN für den überzeugendsten DDR-Film, den ich bisher gesehen habe-genial wie der Film dieses Lebensgefühl einfängt.

Und dann ist IN DIE SONNE SCHAUEN wohltuend undramatisch, obwohl da oft sehr harte Geschichten präsentiert werden-aber eher informativ, weniger emotional. Vieles schwebt im Film, wie letztlich die Figuren – phänomenal transzendent das ganze Film-Werk.

Kritisch muss ich aber die mangelnde theologische Beratung anmerken-die fand offensichtlich nicht statt. Denn das Vaterunser wurde bis in die späten Sechziger Jahre mit „Erlöse uns von dem Übel“ gebetet, auch in Platt. Und in der Uckermark, wo der Film spielt , war man durchweg bis in die 20-iger Jahre evangelisch-protestantisch. Und da wurde beim Beten auch kein Kreuzzeichen gemacht-das alles hat mich gleich zu Anfang sehr gestört und geärgert. Es ist aber auch denkbar, dass man hier eine Religiosität darstellen wollte – die mit einer kirchlichen nichts zu tun hat.

Und so hört meine Kritik auch schon auf. Ich bin begeistert von IN DIE SONNE SCHAUEN-ein überzeugendes filmisches Plädoyer für den bekannten Bibelsatz aus Kohelet:

„Was geschehen ist, wird wieder geschehen, / was getan wurde, wird man wieder tun: / Es gibt nichts Neues unter der Sonne.“ (vgl. Koh 1)

Besser kann man zu diesen Bibelversen nicht predigen.

Thomas Bohne

 

TITEL: In die Sonne schauen
VERWEISTITEL: Sound of falling
PRODUKTION: Deutschland 2024
REGIE: Mascha Schilinski
LÄNGE: 149 Minuten
KINOSTART: 28.8.2025

Bild: In die Sonne schauen-Plakat
Fotonachweis ©: Fabian Gamper/Studio
Zentral/Cannes 2025, Studio Central/Cannes 2025, Studio Zentral