(bis 12.01.26 in der ARD-Mediathek)
Als am 10. März 1974 der Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ in die DDR-Kinos kam, dachte noch keiner dran – dass das einmal der Weihnachtsklassiker in der deutschen Fernsehlandschaft werden würde.
Und ursprünglich wollte ja der tschechische Regisseur Václav Vorlícek (Das Mädchen auf dem Besenstiel, 1971) seinen Märchenfilm im Sommer drehen. Doch da war im DDR-Filmstudio „Babelsberg“ nichts mehr „frei“, nur noch im Winter. Also schrieb Vorlícek kurzerhand das Drehbuch „auf Winter“ um und wollte natürlich die Außenaufnahmen um und vor „Schloss Moritzburg“ bei Dresden auch im Winter drehen.

Das war schwierig, weil auch damals nicht immer Schnee im Winter lag, auch nicht in Sachsen. Da seien zwei wunderschöne Episoden dazu geliefert: Einmal, dass die Reiter nun grade vor dem ehemaligen Jagdschloss „Moritzburg“ durch den Pulverschnee „stürmen“ sollten – da es aber zur Drehzeit keinen Schnee gab, wurde Fischmehl aus den „hohen Norden“ der DDR angefahren. Den Gestank bekommt man glücklicherweise beim Anschauen nicht mit.
Andererseits sollte der Teich vor dem Schloss winterlich „weiß“ erstrahlen – was in der Regel bei gefrorenen Gewässern nicht der Fall ist, da ist die Wasser-Fläche „schwarz“. Also besprach der findige und erfahrene Märchenregisseur aus der CSSR das Ganze mit dem örtlichen Bürgermeister und erreichte eine Aufhebung des Schlitten- und Schlittschuhverbotes auf dem Schloß-Teich. Nach einem turbulenten Eislauf-Wochenende in Moritzburg war die Fläche durch all das Schlitten-Gefahre und Schlittschuh-Geschlitter „weiß“ – und man konnte ab Montag vor weißer Eisfläche drehen.
Und dann ist „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ die tschechoslowakische Variante des bekannten deutschen Märchens „Aschenputtel“. Die Schriftstellerin Bozena Nemcová ist in ihrer Heimat etwa so bekannt wie in Deutschland die Gebrüder Grimm. Und „ihr“ Aschenputtel erduldet und erleidet nicht alles wie bei den „Grimms“. Dagegen kämpft hier Aschenbrödel mit viel List und Witz und drei Zauber-Haselnüssen gegen all das Unrecht und die erfahrenen Ungerechtigkeiten.
Da dieser Film eine Deutsch-Tschechische-Koproduktion war, wurde sowohl in „deutsch“ wie auch in „tschechisch“ gedreht. Verstanden haben sich die Mitwirkenden eigentlich erst im Kinosessel, wenn sie die jeweilige Synchron-Fassung sahen.
Der Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ wurde inzwischen mehrfach restauriert, so dass man dem Werk die über 50 Jahre gar nicht anmerkt – äußerlich wie inhaltlich immer noch ein Genuss!
Ach so, eins sei hier keinesfalls vergessen: die Musik von Karel Svoboda (er schrieb auch die Musik zu „Sing, Cowboy, sing“ – 1981, mit Dean Reed). Man sagt, er hätte ein Motiv aus dem tschechischen Barock wundervoll zu diesem Weihnachts-Evergreen verarbeitet. Bei keinem Sender darf diese Filmmusik inzwischen um Weihnachten fehlen.
Also nun das ganze Film-Werk wieder genießen, bis kurz nach dem Ende der „kirchlichen Weihnachtszeit“ am 12. Januar 2026 auf der ARD-Mediathek.
Thomas Bohne
ORIGINAL: TRI ORISKY PRO POPELKU
VERWEISTITEL: Drei Nüsse für Aschenbrödel | Aschenbrödel (1973)
REGIE: Václav Vorlícek
BUCH: Václav Vorlícek
MUSIK: Karel Svoboda
ERSTAUFFÜHRUNG: 10.3.1974 Kino DDR / 19.12.1975 Kino BRD / 16.7.1977 DFF (DDR-Fernsehen)
LÄNGE: 86 Minuten
ARD-MEDIATHEK: bis 12. Januar 2026
