Der Titel stimmt: „Wenn der Herbst naht“.
Auch wenn es zum Kinostart kalendarisch noch Sommer ist, fallen ja Ende August schon die ersten Blätter oder werden gelb.
In unserem Film „Wenn der Herbst naht“ geht es gleich zu Beginn so richtig herbstlich zu:
Da kommt Michelle nach einem Kirchenbesuch – es wurde die Geschichte von „Jesus und der Sünderin in Bethanien“ gelesen – in ihr schönes herbstlich umranktes Landhäuschen zurück, telefoniert mit ihrer Tochter. Die wiederum ist mit Sohn Lucas auf dem Weg zu ihr. Kurz danach geht Michelle mit Freundin Marie Claude im herbstlichen Wald Pilze sammeln.

(Fotonachweis ©: FOZ, FOZ/FRANCE 2 CINÉMA/PLAYTIME, Weltkino)
Letzt genannte Frauen befinden sich auch kräftig im „Herbst ihres Leben“ und haben eine Vergangenheit als Prostituierte hinter sich. Zumindest wollen sie diese Vergangenheit gerne hinter sich lassen – was nicht gelingt, besonders wenn sie auf die Entwicklung ihrer eigenen Kinder schauen.
Es wäre nicht der Regisseur Francois Ozon, würde er nicht aus so einem Plot eine doppeldeutige Filmerzählung machen. Das hat er in der Vergangenheit mit seinen Filmen oft getan. Zum Beispiel in „Frantz (2016, Kompass 09/2016) oder „Gelobt sei Gott“ (2019, Kompass 09/2019) – kleine Geschichten mit vielen Zwischentönen und Möglichkeiten der Mehrfachdeutung. Und, Filmerzählungen – weniger Drama.
Denn so richtig aufregend wird’s nicht in den reichlich 100 Filmminuten. Obwohl, einen Todesfall gibt’s schon – bei dem ich bis zum Schluss nicht weiß, ob es ein Unfall oder ein Mord war.
Also, in „Wenn der Herbst naht“ wird alles ruhig und fast beiläufig mit einer sich langsam aufbauenden Spannung erzählt.
Die Bilder im Film sind „warm“, warm-herbstlich. Da schaue ich gern hin und gehe auch gern die herbstlichen Wege der Protagonistinnen und Protagonisten mit.
Auch lasse ich mich als Zuschauender auf dieses Familienleben gerne ein, das kein „normales“ Familienleben ist.
Da wird durch den Regisseur Ozon „bildschön“ von einer Patchwork-Familiensituation der besonderen Art erzählt und beim Zuschauen Verständnis für die Filmfiguren entwickelt.
Ich denke schon, dass sich da ein Besuch im Kino lohnt.
Vor allem, weil „Wenn der Herbst naht“ ein liebevoller Blick auf so manches Leben „im Herbst“ ist.
Thomas Bohne
WENN DER HERBST NAHT
Produktion: Frankreich 2024
Regie: François Ozon
Länge: 102 Minuten
Kinostart: 28.08.2025

(Fotonachweis ©: FOZ, FOZ/FRANCE 2, CINÉMA/PLAYTIME, Weltkino)