Viele aus meinem Freundeskreis haben inzwischen das Filmepos „Die Odyssee (2026)“ von Christopher Nolan gesehen. Ich persönlich ebenfalls.
Aus dem Kino gekommen habe ich mich auch gleich auf die Erzählungen „Kampf um Troja“ und „Die Irrfahrten des Odysseus“ gestürzt – als Nacherzählung des schwäbischen Pfarrers Gustav Schwab (1792-1850), eine Ausgabe der DDR aus dem Jahre 1981. Diese Bücher habe ich damals komplett gelesen.

Beim erneuten Lesen fiel mir dann auf, dass der jetzt aktuelle US-Film von Christopher Nolan einiges anders macht: Beispielsweise, dass da keine Holz-Pferd nach Troja kommt, sondern ein Pferd aus Metall, dass sich aufbäumt. Und, die ganze Troja-Erzählung wirkt im Film eher nachdenklich, grausam – und was Odyssee betrifft: schuldhaft, kein „Sieges-Lied“.
Anders verhält es sich dann mit dem Schluss als Odysseus nach Ithaka zu seiner Frau Penelope und seinem Sohn Telemachos zurückkehrt – zunächst als Bettler unerkannt. Da habe ich viel Paralleles zu Buch und Film gefunden.
Im Film von Christopher Nolan sind auch viel moderne Fragestellungen zu finden. So die Frage, ob Gastfreundschaft neben der Beachtung durch den Gastgeber nicht genauso Beachtung und Anstand seitens der Gäste verlangt? Oder, ob Krieg nicht in jedem Fall Verrohung und Unmenschlichkeit bedeutet.
Alles ist natürlich im Film „Die Odyssee (2026)“ in eine spannende Fantasy-Abenteuer-Geschichte gepackt – die fast drei Stunden Film habe ich nicht gemerkt.
Und der Einschätzung der online-Plattform „Filmdienst“ (Portal für Kino und Kirche) kann ich nur zustimmen:
„…eine Brücke in die politische Gegenwart. Inszenatorisch bewegt sich der knapp dreistündige Film zwischen Genre-Glanzstücken, gediegener Fantasterei und einer eleganten Verschränkung von Prosaischem mit popkultureller Fantasy entlang der Motive Schuld und verlorener Menschlichkeit. – Sehenswert ab 16.“
Thomas Bohne

ORIGINALTITEL: THE ODYSSEY
PRODUKTION: Großbritannien/USA
REGIE: Christopher Nolan
BUCH: Christopher Nolan
MIT: Matt Damon (Odysseus) · Tom Holland (Telemachos) · Anne Hathaway (Penelope)
LÄNGE: 173 Minuten
KINOSTART: 16.07.2026