Wenn man auf der Eintrittskarte „Großes Conzert zum Jahreswechsel“ liest, weiß der findige Käufer/Käuferin: Da ist Ludwig van Beethovens „Neunte Sinfonie“ gemeint.

Manche und mancher waren zunächst vielleicht traurig, weil die angekündigte Newcomer-Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla erkrankte. Aber der „Ersatz“ durch Alan Gilbert war eher ein Höhepunkt für sich – mit viel Feingefühl und Routine führte dieser Dirigent das Leipziger Gewandhaus-Orchester durch die „Neunte“, dazu drei Chöre (MDR-Rundfunkchor, Gewandhaus-Chor, Gewandhaus-Kinderchor) – eine Partitur brauchte der mit Preisen überhäufte US-Koreaner nicht, er dirigierte auswendig.
Hinzu kamen vier erstklassige Sängerinnen und Sänger in den Solo-Parts – überaus bemerkenswert dabei Michael Nagy als Bass am Anfang (O Freunde, nicht diese Töne) und Sarah Traubel mit weicher Sopranstimme gemeinsam mit solide agierender Xenia Puskarz Thomas (Mezzosopran) und dem ehemaligen Thomaner Patrick Grahl (Tenor).
Das Orchester bestach bei den leisen Tönen, besonders als die Kontrabässe zum ersten Mal die berühmte „Ode an die Freude“ anstimmten.
Ich erinnere mich, dass mein Geigenlehrer vor fast 60 Jahren mich immer daran erinnerte, dass die Leute im Publikum nicht so sehr bei den kräftigen „Parts“ gespannt zuhören, sondern vor allem bei den „leisen Stellen“. Das tat ich bei dieser Beethoven-Sinfonie besonders – mir fiel nur auf, dass beim 1. und 3. Satz nicht immer alles auf „Punkt“ klappte. Aber das gehört vielleicht zu einem Live-Auftritt dazu.

Phänomenal dann die Schluss-Sequenzen – da gaben die fast 200 Musikerinnen und Musiker alles – und das mit berauschender Wirkung.
Standing Ovation – und das „gefühlt“ eine Viertelstunde lang. Schade, dass der Dirigent Alan Gilbert während dieses Applauses die so exzellent agierenden Kontrabässe nicht ebenso durch „Aufstehen“ würdigte – wie das bei den anderen Instrumental- und Gesangsgruppen der Fall war – aber vielleicht ist mir das zu wenig aufgefallen, weil diese Kontrabässe ja sowieso gestanden haben.
Beethovens „Neunte Sinfonie – d Moll op. 125“ gehörte ja zu den alles an bisher dagewesenen Musik-Werken Sprengenden – wie man in dem sehr informativen Programmheft nachlesen konnte, selbst Religiöses in der „Neunten“ wurde erwähnt. Und, auf das ganze Konzert zurückblickend muss ich das zu diesem Abend im Leipziger Gewandhaus am Vorabend des Jahreswechsels 2025/2026 unumwunden sagen:
So ein Konzert habe ich im Leipziger Gewandhaus und in anderen Konzertsälen bisher noch nicht erlebt – für mich „Weltklasse“!
Thomas Bohne