Was machen Sie, wenn der humanoide Roboter sympathischer ist als das zugeteilte Pflegepersonal?
Oder, der humanoide Roboter, mehr anwesend ist – und zwar immer, außer in Auflade-Phasen – als die besorgte und sorgende Familie aus Tochter und Enkelin?
Klar, ich befolge die Anweisungen der menschlichen Maschine. Das ist in etwa der Plot des neuesten Filmes von Doris Dörrie – Männer (1985), Nackt (2002).

Die Regisseurin Dörrie gibt mit ihrem Film „Frau Winkler verlässt das Haus“ einen originellen Film-Kommentar zu den Themen Pflegenotstand und Sterbehilfe, gewürzt mit Humor und Sarkasmus.
Doris Dörries Roboter wird von einem Schauspieler (Joseph Ellers) gespielt, was man auch sieht. Das stört bisweilen, auch die filmischen Ausflüge in das Jahr 2030 in Deutschland: da werden auf der Straße Hunde von Robotern Gassi geführt und im Restaurant fragt ein fahrender Roboter Frau Winkler nach der Gesundheitskarte, dann erst gibt er den gewünschten Wodka. Solche Animationen hat man allerdings in US-amerikanischen Filmen viel besser und flüssiger gesehen.
Aber „Frau Winkler verlässt das Haus“ ist ein gelungener Beitrag zu der Frage, wie geht’s denn weiter, wenn vielleicht nicht mal mehr ausländische Pflegekräfte zur Verfügung stehen? Oder die Krankenkasse meine Daten gleich direkt übermittelt bekommt – und das immer, Tag und Nacht?
„Frau Winkler verlässt das Haus“ ist modernes, verstörendes Autorenkino – denn die Regisseurin Dörrie hat auch gleich das Drehbuch geschrieben.
Allerdings nicht ohne Unterhaltungswert – die zwei Stunden Film habe ich nicht gemerkt.
Also, ins Kino gehen und angenehm nachdenken.
Thomas Bohne
Produktion: Deutschland 2026
Regie: Doris Dörrie
Buch: Doris Dörrie
Mit: Angela Winkler (Frau Winkler) · Laura Tonke (Tochter Emi) · Josef Ellers (Roboter: Pawlowitsch / Bruno) · Zoë Baier (Enkelin Billie)
Länge: 119 Minuten
Kinostart: 01.10.2026
