Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war (ein schauspielerischer Dokumentarfilm im Kino)

Die Schauspielerin Sandra Hüller geht in einer Wohnung umher.

„Ich wollte, dass Du diese Rolle übernimmst“, höre ich eine Stimme sagen.

Dann kommen Dokumentaraufnahmen von Ingeborg Bachmann. Ich erfahre von ihrem Vater in Österreich, der zeitig in die NSDAP eingetreten ist.

Es geht jetzt um die letzten Lebensjahre dieser Ingeborg Bachmann in einer Wohnung in Rom.

 

Bild: Ingeborg Bachmann-Portrait (Filmbild)
Fotonachweis ©: Weltkino/Elliott Kreyenberger, Weltkino/Heinz Bachmann, Weltkino/Johann Marte, Weltkino/Renate von Mangoldt

Das Leben dieser wohl bedeutendsten Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts wird in den letzten Jahren durch Tabletten- und Alkoholsucht geprägt. Ziemlich spät besuchte sie „Auschwitz“, was tiefe Spuren hinterlässt.

Dann sehe ich Schwarz-Weiß-Aufnahmen mit Sandra Hüller – sie bespricht etwas mit der Regisseurin – und tippt auf einer altmodischen Schreibmaschine.

Sandra Hüller sieht dieser Ingeborg Bachmann erstaunlich ähnlich. Meist agiert sie nur, spricht nicht.

Der Dokumentarfilm “Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war“ eröffnete am 6. Mai 2026 das „DOK.fest 2026“ in München und erlebte da auch seine Weltpremiere.

Die Regisseurin Regina Schilling versucht mit ihrem Film eine dokumentarische wie auch fiktive Annährung an eine höchst bemerkenswerte Frau des 20. Jahrhunderts.

Ingeborg Bachmann litt lange unter Depressionen, hatte mehrere Klinikaufenthalte hinter sich – den längsten nachdem die Beziehung mit dem Schriftsteller Max Frisch beendet war. Aber auch der homosexuelle Musiker Hans Werner Henze gehörte einmal zu ihren Lebenspartnern – mit großer Hochachtung spricht er von Ingeborg Bachmann.

Gerade die Kopplung mit viel Archivmaterial macht diesen Bachmann-Film zu einem beeindruckenden Zeugnis deutsch-österreichischer Literatur- und Kulturgeschichte.

Und dann interpretiert Sandra Hüller fast durchweg pantomimisch diese Frau, die am 25. Juni 1926 in Klagenfurt (Österreich) geboren wurde und am 17. Oktober 1973 nach einem Brandunfall in Rom verstarb.

Als Zuschauender tauche ich in dieses Literatinnen-Leben ein.

Viel habe ich im Film erfahren: Vor allem, dass diese erfolgreiche Schriftstellerin im Innersten furchtbarste Kämpfe zu bestehen hatte. Und, dann in Literatur verwandelt hat.

Man sollte in dieses Leben einfach mal „eintauchen“ – am besten im Kino.

Thomas Bohne

 

Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war
Produktion: Deutschland/Österreich 2026
Regie: Regina Schilling
Buch: Regina Schilling
Mit: Sandra Hüller (Ingeborg Bachmann)
Kinostart: 25.06.2026

 

Bild: Plakat Fotonachweis ©: Weltkino/Elliott Kreyenberger, Weltkino/Heinz Bachmann, Weltkino/Johann Marte, Weltkino/Renate von Mangoldt