Er war der Hauptpreisträger der diesjährigen Berlinale, Ilker Catak. Und nach 2004 damit wieder ein deutscher Gewinner des Goldenen Bären mit dem Spielfilm “Gelbe Briefe”.
Es ging dann bei der Leipzig-Premiere am Donnerstag (5. März 2026) in den Passage-Kinos auch um die „gelben Briefe” an sich – die Amts-Post des Staates, die meist keine guten Nachrichten enthalten: Prozess-Post, Räumungsklagen oder Kündigungen.
Zu Beginn dieses Premieren-Abends in Leipzig sprach zunächst Sabine Fuhrmann als Präsidentin der Rechtsanwaltskammer Sachsen ein Grußwort und bemerkte dabei, dass Recht-Haben in Deutschland nicht am “Geldbeutel” liegen darf.
Und nun die charmante Moderatorin Nihi Le, gebürtige Leipzigerin, wünschte im fast voll besetzten Astoria-Saal in der „Passage“ erstmal ein gutes Screening von “Gelbe Briefe” und kündigte danach ein Gespräch mit dem Regisseur Ilker Çatak an
– der war dann auch zur Stelle.

Aus meiner Sicht ist sein neuer Film jetzt ein schönes Beispiel für einen Autoren-Film. Viele persönliche Überzeugungen hat Ilker Çatak in seinen Film da hineingepackt.
Ja vielleicht ist “Gelbe Briefe“ auch ein allegorischer Film, weil viele Szenen auch für ganz konkrete Realitäten stehen: Beispielsweise der Streit der Revolutionäre im Film steht für eine zerstrittene linke Szene in Deutschland. “Wir müssen in diesen Zeiten zusammen bleiben” rief Ilker Catak in den Kinosaal hinein.
Dann wollte er auch mal wissen, wie der Saal den Schluss seines Films empfunden hat – hoffnungsvoll oder eher nicht hoffnungsvoll – da wurde sogar abgestimmt.
Beim Gespräch nach dem Film war auch die Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin „LOFFT-Das Theater“ dabei. Zunächst habe ich mich gefragt, was diese Frau bei einem Film-Gespräch soll. – sie äußerte ihre Sorge über einer erstarkende AFD und die Gefahren für die „Interkulturellen Zentren“ in Sachsen. Aber dann hakte Ilker Catak selbe rein und betonte, wie wichtig die freie Theaterszene beispielsweise in Istanbul sei. Und; LOFFT ist ja auch eine Organisation der “freien Theater” in Leipzig.
In diesem Zusammenhang wies der Regisseur auf die im Film präsentierte freie Theaterarbeit hin und sagte: “In der Türkei ist gerade diese Art von Theater so wichtig, weil die Medienwelt nahezu gleichgeschaltet ist.
Und da kam in mir der Wunsch auf, mehr über das Konzept des Films zu erfahren:
Warum wurde nicht in Istanbul und Ankara gedreht – sondern Berlin und Hamburg als “stellvertretend” für diese Städte gewählt? Gewollter Kunstgriff oder Notlösung? Eine Aussage dazu gab es an diesem Abend nicht.
Aber ein fassettenreicher Film- und Kulturabend lief an diesem 5. März 2026 in Leipzig ab.
Da kann ich noch lange darüber nachdenken.
Thomas Bohne
