„Liebe Oratorianer!
Mit dieser Nachricht möchte ich Sie als Enkel von Paul Stern zu der oben genannten Stolperstein-Setzung sehr herzlich einladen! Paul Stern war mit dem Glaubensbruder Werner Becker sehr gut befreundet. Die Oratorianer haben ihn in seinen letzten Jahren vor der Deportation nach Theresienstadt und dann nach Auschwitz, soweit dies möglich war, beschützt und mit zeitweiliger Unterkunft und Lebensmitteln versorgt. Und ihm wurde ermöglicht, in den Räumlichkeiten des Oratoriums zu arbeiten. Wahrscheinlich entstanden dort seine letzten Sonette.“
Diese Nachricht des Enkels, Hermann Ehlers, erreicht uns Oratorianer – jetzt in der Salomonstraße 16 – am 2. Oktober 2026.

Und wir Oratorianer waren natürlich entschlossen – nachdem uns bereits das evangelische Kirchenamt informiert hatte (Dank an Frau Marion Kunz) – bei der Stolperstein-Legung für Paul Stern am 6. Oktober 2026 dabei zu sein. Was dann auch durch einen Vertreter unserer Gemeinschaft gelungen ist.
In Zusammenarbeit mit unserem Archivar Matthias Hinkel wurde überlegt, welches „Geschenk“ wir da mitnehmen könnten – das Ergebnis: Historische Klaviernoten von Paul Stern – unter anderem ein Klavierauszug von Mendelssohns „Elias“ mit Namens-Stempel oder handschriftlicher Unterschrift von Paul Stern – er hatte Klaviernoten im Oratorium zum Klavierspiel, nachdem sein Klavier von Nazischergen aus dem Fenster geschmissen wurde.
Die Geschichte dieses Paul Stern ist eine große Tragik deutscher Geschichte und Verbrechen an jüdischen Menschen:
„Am 13. Januar 1944 wurde Paul Stern von Leipzig in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Am 28. Oktober 1944 wurde er in das Konzentrationslager Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Paul Stern war verheiratet und hatte eine Tochter und einen Sohn. Beide Kinder überlebten den Holocaust.
Der Stolperstein in der Gustav-Mahler-Straße erinnert heute an Paul Stern und gibt seinem Namen einen sichtbaren Ort des Gedenkens. Die Übergabe der Klaviernoten durch das Leipziger Oratorium trägt dazu bei, neben seinem Schicksal auch die persönliche Geschichte und die Verbindung zu den Menschen lebendig zu halten, die ihm in den Jahren der Verfolgung beistanden.
Nach seiner Unterbringung im Judenhaus hielt sich Paul Stern tagsüber im Leipziger Oratorium auf, studierte hier und spielte auch auf einem Konzertflügel, der bis heute in der Karl-Heine-Straße 110 steht“ (Textauszug eines Text-Beitrages auf der Homepage des Bistums Dresden-Meißen „Erinnerung an Paul Stern: Stolperstein für den früheren Freund des Leipziger Oratoriums verlegt“ – am 6. Oktober. Oratorianer Pfarrer Thomas Bohne übergibt historische Klaviernoten.“)
Fast 30 Besucherinnen und Besucher waren zu dieser Stolperstein-Legung gekommen – fast die Hälfte hatte eine Rose mit.
Das war ein großer Tag des Gedenkens und Erinnerns.
Thomas Bohne
