Es war die 76. Berlinale, diesmal mit einem medienwirksamen Auftritt eines Preisträgers mit der Palästinenser-Flagge – ein Minister verließ dann unter Protest den Saal.
Längere Zeit hatte man in den Medien den Eindruck, dass dies das einzige Ereignis war – kaum jemand sprach oder schrieb noch über die gezeigten Filme. Und von denen gab‘s sogar viele persönliche und – aus meiner Sicht – auch recht gute Filme.
Der Wettbewerb der diesjährigen Berlinale war mit vielen „unpolitischen“ Filmen bestückt. Einer der wenig politischen Filme gewann dann den Hauptpreis:
„Gelbe Briefe“ des deutschen Regisseurs Ilker Catak (Das Lehrerzimmer).

Welche Filme konnte ich nun sichten?
Es waren diesmal nur sieben: Darunter Filme aus der Rubrik „Berlinale Special“, dem „Wettbewerb“ und aus dem „Forum“ – hier, im „Forum“, lief dann gleich der für mich beste Film „Vier minus drei“ des österreichischen Regisseurs Adrian Goiginger (Der Fuchs) über eine Frau, die durch einen Auto-Unfall ihren Mann und die zwei Kinder verloren hat: „Vier minus drei“! Ein zutiefst berührender und erschütternder Film zum Thema Trauer und Trauerarbeit, aber nicht ohne „Hoffnungsschimmer“.
Ein weiterer Film aus Österreich lief dann im „Wettbewerb“: „The Loneliest Man in Town“, nach Meinung einiger Kritiker einer der ambitioniertesten und vielleicht künstlerisch besten Filme dieser Berlinale. Erzählt wird die Geschichte eines alternden Elvis-Nachahmers aus Wien – den es wirklich gibt und der sich im Film selbst spielt.
Das „Alter“ und „das Altern“ spielte dann in weiteren Wettbewerbsfilmen eine Rolle: einmal in einem USA-Dokumentarfilm um die inzwischen verstorbene Künstlerin YO „Yo (Love is a Rebellious Bird)“ und ein Film zum Thema „Sex im Alter“ und „Demenz“ mit Juliette Binoche als ratlose Tochter in „Queen at See“.
Oder im „Berlinale Special“ die Horror-Fernseh-Serie der ARD „House of Yang“ – davon sah ich drei Teile und hätte die anderen drei gern auch noch gesehen. Es ging um mehrere Generationen in einem geheimnisumwitterten Haus mitten im Schwarzwald. Zu sehen dann in diesem Herbst 26 in der ARD-Mediathek.
Große Erwartungen knüpfte ich an die US-Produktion „Das Testament der Ann Lee“. Aber so richtig zufrieden war ich nach diesem aufwendig gefilmten Historien-Musical dann doch nicht. Es ging um die geistliche Bewegung der „Shaker“ in den USA Mitte des 18. Jahrhunderts. Ihr Motto „Mit sexueller Reinheit und schüttelnden Bewegungen direkt zum lieben Gott“.
Ein Superstar der Berlinale war diesmal der US-Amerikaner Channing Tatum. Bei seinem Eintreffen auf dem „roten Teppich“ vor dem Berlinale Palast am Freitag (20.02.2026) war Kreisch-Alarm der meist weiblichen Fans angesagt. Im Wettbewerbsfilm „Josephine“ spielte er einen Vater, der seiner achtjährigen Tochter zur Seite stehen muss: sie wurde zur Zeugin einer Vergewaltigung. Das war spannendes US-amerikanisches Independent-Kino und Channing Tatum lässt es zu, dass er in diesem Film als starker Mann wirklich „demontiert“ wird.
Wenn es nun die großen Kracher-Filme bei der diesjährigen Berlinale nicht gegeben hat, ragten die von mir gesichteten Filme doch weit über das Mittelmaß hinaus.
Das kommt sicherlich auch auf das Konto der neuen Leiterin Tricia Tuttle – ich kann nur sagen: „Weiter so“.
Ach so, noch eine Bemerkung „ganz am Rande“: Wenn ich beispielsweise zum auf der Eintrittskarte angegebenen „Uber Platz 2“ in Berlin mittels irgendeiner App kommen wollte, gab es den nicht; oder die Rathausstraße 1 am „Alex“. Die Berlinale-Veranstalter sollten bei der Gestaltung ihrer Hefte mal die alten Druckvorlagen ändern – das würde sich lohnen.
Thomas Bohne