Nürnberg – ein „alter“ Stoff „neu“ aufpoliert

„Nürnberg“ – ein Film über den berühmt-berüchtigten Kriegsverbrecherprozess in Nürnberg: vom November 45 bis Oktober 46 fand er statt, mit mehreren Todesurteilen am Ende. Eines davon galt Herrmann Göring, der allerdings kurz vor der Hinrichtung Zyankali nahm und sich so dem „Strang“ entzog.

Bild: „Nürnberg“ – mit Russell Crowe als Hermann Göring
Fotonachweis ©: Weltkino/Sony Pictures Classics, Kata Vermes, Weltkino/Sony Pictures Classics, Scott Garfield

Das alles ist nun im Kino zu sehen mit Russel Crow (Gladiator) als dick-beleibter Hermann Göring und Rami Malik (Bohemian Rhapsody) als ehrgeiziger Militärpsychiater Douglas M. Kelley (1912 – 1958) Am 1. Januar 1958 nahm sich Kelley ebenfalls mit Zyankali das Leben, was manche Wissenschaftler veranlasste mit Blick auf den Nürnberg-Prozess vom „Nazi-Virus“ zu sprechen.

Der Film „Nürnberg“ regt nun an, sich mit diesem beispiellosen Prozess wieder einmal zu befassen und dabei manches „neu“ zu erfahren.

Für mich: Papst Pius XII. (Guiseppe Cederna) war zunächst gegen diesen Prozess und Chefankläger Robert H. Jackson (Michael Shannon) „überzeugte“ offenbar den Papst mit einigen historischen Hinweisen.
– und scheinbar war den US-Amerikanern die Haltung des Papstes dazu sehr wichtig.

Doch „Nürnberg“ ist eigentlich die „Bühne“ für Russel Crowe, dessen Göring recht sympathisch daherkommt. Aber es gibt einen historischen Angelpunkt: Denn US-Psychiater Kelley war von Göring höchst fasziniert und das spürte der „Feldmarschall“ auch gleich.

Den Hintergrund für diesen aktuellen Spielfilm des US-Regisseurs James Vanderbilt (Der Moment der Wahrheit) bildet das Buch „Der Nazi und der Psychiater“ (2025) des Wissenschaftsjournalisten Jack El-Hai – ein spannender Schmöker – recherchiert nach vielen bisher noch nicht veröffentlichten Dokumenten.

Bild: „Nürnberg“ – der in Budapest (Ungarn) nachgestellten Gerichtssaal
Fotonachweis ©: Weltkino/Sony Pictures Classics, Kata Vermes, Weltkino/Sony Pictures Classics, Scott Garfield

Es gab wohl auch ein Buch des Psychiaters Douglas M. Kelley über den Göring-Fall, das erwies sich in den USA aber eher als Flopp. Kelley wollte mitteilen, dass die Nazi-Psyche nicht ein Ausnahmefall sei, sondern unter bestimmten Umständen überall vorkommen kann – selbst in den USA.

Das nun versucht Vanderbilts Film „Nürnberg“ zu vermitteln. Die 148 Minuten Film habe ich nicht gemerkt.

Alles – angefangen beim Kostüm, der Ausstattung, der Kamera und dem Filmschnitt – ist publikumswirksam gemacht.

Und dann ist der Film höchst anregend für manche Diskussion, durchaus zur aktuellen Politik und ihren Verantwortlichen. Am besten nach dem Erleben im Kino.

Thomas Bohne

 

ORIGINAL: Nuremberg
PRODUKTION: USA 2025
VORLAGE: Jack El-Hai (Buch „The Nazi and the Psychiatist”)
REGIE: James Vanderbilt
MIT: Russel Crowe (Hermann Göring) und Rami Malik (Psychiater Douglas M. Kelley)
KINOSTART: 07. Mai 2026

Bild: Nürnberg-Plakat
Fotonachweis ©: Weltkino/Sony Pictures Classics, Kata Vermes, Weltkino/Sony Pictures Classics, Scott Garfield