Es war die Leipzig-Premiere am 6. Mai 2026 (Mittwoch vor dem deutschen Kino-Start) des US-amerikanischen Spielfilms „Nürnberg“. Premieren Gast war der deutsche Schauspieler Andreas Pietschmann (*1969) – Er spielte in „Nürnberg“ den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß.

Der „Wintergarten“ in den Passage-Kinos war gut besucht, allerdings nicht voll.
Es gibt vielleicht doch eine Ermüdung bezüglich der deutschen Erinnerungskultur – das wäre allerdings höchst bedauerlich. Denn, „Nürnberg“ des US-amerikanischen Regisseurs James Vanderbilt war neben einer bemerkenswert hohen Qualität bezüglich Erinnerungskultur schon ein Film mit einer recht deutlichen Aussage zur gegenwärtigen politischen Situation, weltweit. (vgl. Kritik auf dieser Homepage)
Und genau das bemerkte Andreas Pietschmann nach dem Screening von „Nürnberg“. Er sagte auch, dass er bisher keine Kritik gelesen habe, die das feststellt.
Interessant war auch an diesem Abend, dass Pietschmann erzählte, wie die Dreharbeiten zum eigentlichen Prozess abliefen: Fast alle am Set – Schauspieler und Schauspielerinnen eingeschlossen – kannten nicht die Dokumentaraufnahmen von den Leichenbergen, welche nach der Befreiung in den KZ‘s gefilmt worden. Das war gewollt, die Regie wollte „frische“ Reaktionen „abfilmen“ – jeder und jede in der eigenen Rolle sollten eigens reagieren – was im Film auch recht überzeugend „rüberkam“.
Andreas Pietschmann berichtete, dass danach vor allem die US-Kollegen auf die deutschen Schauspieler zukamen. Fragend, ob sie diese Aufnahmen kannten. Das komplette „Ja“ von allen überraschte dann schon – auch, wie in Deutschland Erinnerungskultur inzwischen gepflegt wurde.
Der deutsche Schauspieler Andreas Pietschmann erzählte noch, wie intensiv er sich auf die Rolle des Rudolf Heß vorbereitet hat: Er habe fast alle Film- und Tondokumente von Heß studiert. Hat sich genau seinen Gang und seine Mimik angesehen, eine „Mühe“ – welche man beim Anschauen des Films nicht wahrnimmt.
Fast selbstverständlich berichtet Pietschmann darüber, dass natürlich wesentlich mehr Szenen geprobt und gedreht worden – bei ihm war es dann letztlich nur eine Szene, die jetzt in den präsentierten Film kam.
Andreas Pietschmann bedankte sich am Ende – das war nach über 200 Minuten Film- und Diskussionsabend – für das große Interesse und die Fragen aus dem Publikum.
Das war auch nicht „gespielt“.
Thomas Bohne

Fotonachweis ©: Weltkino/Sony Pictures Classics, Kata Vermes, Weltkino/Sony Pictures Classics, Scott Garfield