Die 7. Sinfonie von Gustav Mahler: Durch Nacht ins Morgenlicht

Mit einem Schrecken erregenden Tutti-Schlag endet Mahlers 6. Sinfonie. Der „Held“, bereits durch zwei kräftige Hammerschläge niedergestreckt, scheint nun definitiv am Ende.

Ist es so?

Nein, er rappelt sich auf und beginnt mit der 7. Sinfonie den Weg durch die Dunkelheit. Der nächtliche Wald ist für ihn wenig vertrauenserweckend. Meist kann er sich nur an den Bäumen orientieren. Wenn sich aber an einer Lichtung der klare Sternenhimmel zeigt (1. Satz), oder wenn ferne Herdenglocken ertönen (2.Satz), schöpft er neue Hoffnung. Natürlich gibt es auch Wegstrecken, die ihm so gespenstisch erscheinen, daß sie Ängste heraufbeschwören (3. Satz). Doch dann ist es geschafft: Mandoline und Gitarre lassen in der Dämmerung einen schönen Morgen erwarten (4. Satz). Und der Morgen kommt (5. Satz): Strahlender denn je, so daß seine Schönheit schon wieder bezweifelt werden müßte.

Ist dies nun das wahre Glück??

Darauf könnte Mahlers 8. Sinfonie, noch mehr aber sein „Lied von der Erde“ eine Antwort geben.

 

Bild: Plakat-Mahler-Festival

Um solche Prozesse in der Musik von Gustav Mahler nachzuvollziehen, bietet das gegenwärtig im Leipziger Gewandhaus stattfindende „Mahler-Festival“ gute Möglichkeiten; denn in wenigen Tagen (18. – 29. Mai) erklingen sämtliche Mahler-Sinfonien – dargeboten von namhaften Orchestern.

Auf die 7. Sinfonie freue ich mich besonders. Unter der Leitung von Daniel Harding spielt sie das Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks am Montag, 22.5.23, um 20.00 Uhr. Mit einigem Glück gibt es vielleicht noch erschwingliche Restkarten.

Eberhard Thieme