Udo Lindenberg auf der Festwiese in Leipzig

„Für 2046 haben wir schon einen Konzerttermin gebucht“, so ähnlich tönte es von „Udo“ auf der überdimensionalen Show-Bühne neben der Quarterback-Arena in Leipzig. „Und der Sensenmann neben mir, Hey – ich will doch noch paar Liedchen singen“ – Sympathisch, manchmal bittend, so präsentierte sich der 76-jährige vor seinen 15 000 Fans in Leipzig. Natürlich ist er immer noch der altbekannte Panik-Rocker, der erstaunlich beweglich und ausdauernd seine Performance abzieht.

Und neben dem alt Bekannten kommen immer wieder nachdenklich, sentimentale Töne. Da wird an verstorbene Team-Mitglieder gedacht und gesagt, dass sie da jetzt „hinter den Wolken auf uns herablächeln“. Udo Lindenberg ist weder kirchlich noch sonderlich religiös, als junger Mann ist er schon aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Aber er spricht vom „Schöpfer“, wenn er gleichgeschlechtliche Neigungen thematisiert und die „bunte Republik Deutschland“ erinnert ein bisschen an die „Wallfahrt der Völker“ in den biblischen Schriften.

Udo Lindenberg ist sicherlich eine Ikone der deutschen Pop- und Rockkultur, und als Rocker artikuliert er sich nach wie vor, mit immer noch erstaunlich klarer Stimme.

Er kritisiert die „Schweinepriester“, die den Missbrauch verüben und vertuschen; er benennt den Wahnsinn des Ukraine-Krieges – aber persönlich mit Namensnennungen wird er bei all seiner Kritik nicht, er kritisiert die Sache – und da wirkt er sympathisch.

Das Publikum dankt mit in die Höhe gestreckten Armen und leuchtenden iPhonen. Stimmung herrscht schon recht bald unter den meist Stehenden, rhythmisch reißt sie der „Udo“ alle mit.

Es wird etwas in der deutschen Kultur- und Rock-Landschaft fehlen, wenn dieser Panik-Rocker einmal mit dem Sensenmann mitgegangen ist; aber noch ist er ja da – Gott sei Dank!

Thomas Bohne CO