Ich verstehe ihren Unmut – Sozialdrama der Extraklasse (Katholischer Kinotipp)

Eine 59-jährige Frau leitet eine Reinigungskolonne und hat mit Personalmangel und der Vermittlung zwischen den oft migrantischen Gebäudereinigern, Kundinnen und der Unternehmensleitung zu kämpfen. Als sie versucht, eine Hilfskraft von einem Subunternehmer abzuwerben, setzt sie das unter Druck, einen ihrer eigenen Mitarbeiter zu entlassen. Das quasi-dokumentarische Sozialdrama lenkt den Blick auf einen oft unsichtbar bleibenden Arbeitsbereich und erzeugt durch reale Schauplätze, die Besetzung mit Laien und den Verzicht auf musikalische Untermalung den Eindruck hoher Authentizität. Die Hauptfigur erscheint dabei glaubwürdig ambivalent im Bemühen, in einer moralischen Grauzone zu agieren. – Sehenswert ab 14. (Katholischer Filmdienst)

Bild: Ich verstehe Ihren Unmut, Katholischer Kinotipp, Fotonachweis ©: Louis Dickhaut, Frederik Seeberger/Wenn Dann Film, Real Fiction

Aus der Jury „Katholischer Kinotipp“

„Ich verstehe Ihren Unmut“ ist damit weit mehr als ein klassisches Sozialdrama. Der Film ist eine genaue, kluge und berührende Beobachtung darüber, wie Arbeit Menschen formt, zermürbt und zugleich in ständiger Bewegung hält.

Ein ausgezeichneter Film, der mich sehr intensiv in das Arbeitsleben von Reinigungskräften hineingezogen hat. Die Atemlosigkeit der Handkamera, die ganz dicht an der Objektleiterin Heike dran ist, überträgt sich auf den Zuschauer.

Ich hatte beim Zuschauen tatsächlich zum allerersten Mal in meinem Leben kurz den Gedanken: Vielleicht wäre es besser, sich arbeitslos zu melden, als sich weiter in so ein System zwingen zu lassen. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Selbsterhaltung.

Jetzt wird nun eine Frau gezeigt, die nicht nur Heldin sondern auch eine ambivalente Figur ist: sie betrügt, sie hintergeht, sie verletzt. Aber, sie entschuldigt sich auch und lädt ein zum Fest. Gerade der letzte Teil des Films ist anrührend und von tiefer Feierlichkeit und Schönheit, auch was die Bildgestaltung betrifft.

 

Filmdaten
PRODUKTION: Deutschland 2026
REGIE: Kilian Armando Friedrich
BUCH: Kilian Armando Friedrich · Tünde Sautier · Daniel Kunz
KAMERA: Louis Dickhaut · Frederik Seeberger
MIT: Sabine Thalau (Heike Kamp) · Nada Kosturin (Taja) · Werner Posselt (Detlev) · Thomas Sprekelsen (Herr Nowak) · Sadibou Diabang (Selam)
LÄNGE: 93 Minuten
KINOSTART: 04.06.2026
EMPFEHLUNG: Katholischer Kinotipp

Bild: Ich verstehe Ihren Unmut, Plakat,
Fotonachweis ©: Louis Dickhaut, Frederik Seeberger/Wenn Dann Film, Real Fiction